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02.08.2018
Strandbad Tegel bleibt auch 2018 geschlossen | Senat und Bäder-Betriebe spielen Verwaltungspingpong

Nachdem das Strandbad Tegel nach 2017 auch in diesem Jahr trotz des Rekordsommers geschlossen bleiben sollte, hatte sich Felix Schönebeck vom Verein "I love Tegel" mit einem konkreten Vorschlag an die Berliner Bäder-Betriebe gewandt, wie man das Strandbad kurzfristig noch in diesem Sommer öffnen könnte. Dafür hatte er neben engagierten Menschen auch zwei Reinickendorfer Unternehmen gewonnen, die sich ehrenamtlich um die örtlichen Notwendigkeiten gekümmert hätten. Dafür sollten unter anderem mobile Toiletten installiert und die Reinigung des Areals sowie die Müllentsorgung gewährleistet werden. Wegen des reduzierten Angebots hätte man den Eintrittspreis für die Badegäste erlassen. "Unsere Idee ist, dass wir als Reinickendorfer das Strandbad für alle Reinickendorfer öffnen. Von Bürgern für Bürger", so Schönebeck, der sich seit vielen Jahren gemeinsam mit den Reinickendorfer Abgeordneten Stephan Schmidt und Tim Zeelen (CDU) für die Offenhaltung des Strandbads einsetzt. 

Nach einem Treffen mit Bäder-Chef Andreas Scholz-Fleischmann in der BBB-Zentrale war Schönebeck noch zuversichtlich. Zehn Tage später sieht das jedoch anders aus. 

 

"Nach unserem Treffen haben wir uns mit den konkreten Plänen an die von den Bäder-Betrieben benannten Ansprechpartner bei der Senatsverwaltung für Umwelt gewandt. Beide waren weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. Der erste zuständige Mitarbeiter verwies per Abwesenheitsnotiz auf einen anderen, dieser wiederum auf den ersten. Ein Musterbeispiel für Verwaltungspingpong", ärgert sich Schönebeck.

 

Auf erneute Nachfrage bei den BBB wurde ein dritter Ansprechpartner benannt. Mittlerweile liegt dessen Antwort vor.

 

Darin heißt es aus dem zuständigen Referat für Gewässerschutz: "Das Aufstellen von nachweislich dichten Toiletten-Container in der Schutzzone III A des WW Tegel erscheint prinzipiell möglich." Genau dies wurde bisher jedoch immer konsequent abgelehnt. Zuletzt als der Sportpolitiker Zeelen eine temporäre Installation mobiler Toiletten durch die BBB für eine Öffnung des Strandbads vorgeschlagen hatte: "Damit ist ein zentrales Gegenargument endlich vom Tisch". Es konnte zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar erklärt werden, weshalb an zwei weiteren Badestellen im gleichen Wasserschutzgebiet Toiletten-Container stehen dürfen, auf dem Strandbadgelände aber nicht. 

 

Weiter heißt es in der Antwort der Umweltverwaltung: "Solange es nicht zu einer Änderung der für den Betrieb des Strandbads relevanten rechtlichen Grundlagen kommt, sind die BBB für das Gelände des Strandbads Tegel weiterhin verantwortlich". Die Bäder-Betriebe aber hatten zuvor erklärt, dass die abschließende Entscheidung bei der Senatsumweltverwaltung liegt. 

 

"Es ist genau das eingetreten, was wir befürchtet hatten. Eine schnelle Lösung und kurzfristige Öffnung will man mit endlosen Verwaltungs- und Prüfungsverfahren unmöglich machen. Dass wir zwei Wochen nach der Vorstellung unserer Pläne noch immer auf der Stelle stehen und sich keinerlei Entgegenkommen der BBB oder des Senats abzeichnet, ist extrem ärgerlich. Eins ist für uns klar: wir machen weiter", zeigt sich Schönebeck entschlossen. 

 

Auch der Abgeordnete Schmidt zeigte sich verärgert:  

"Es ist schon allerhand, dass sämtliche Initiativen und Ideen von Politikern und Bürgern immer wieder mit fadenscheinigen Argumenten abgeräumt werden." Sein Kollege Zeelen moniert: "Weder in Sachen temporäre Nutzung noch beim Thema Langzeitplanung bewegt sich etwas". 

 

Schönebeck, Zeelen und Schmidt wollen nun einen Ideenwettbewerb starten, damit neben allen Bemühungen für eine kurzfristige Lösung auch die Zukunftsperspektive des Strandbads weiter vorangetrieben wird. Denn - in diesem Punkt ist man sich ausnahmsweise mit den Bäder-Betrieben einig - ein wirtschaftlicher Betrieb des Areals ist nur mithilfe veränderter Rahmenbedingungen und in Form eines ganzjährigen Konzeptes möglich. 

 

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