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13.11.2019
Jährlich hunderte Verbalattacken und Übergriffe auf Mitarbeiter von BVG und Bahn in Berlin

Sie werden anpöbelt, beleidigt oder sogar körperlich angegangen: Angriffe auf Mitarbeiter der BVG und der Deutschen Bahn gehören mittlerweile zum Alltag in Berlin. Besonders gefährlich leben Mitarbeiter der Deutschen Bahn sowie Sicherheitsmitarbeiter und Busfahrer der BVG. Dies geht aus einer Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) hervor. 

Im Jahr 2018 gab es im Bereich der Berliner Stadtbahn 55 gegen DB-Mitarbeiter gerichtete Beleidigungen. Hinzu kommen 412 Übergriffen auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn - ein Anstieg von über 30% zum Vorjahr (314 Übergriffe). Betrachtet man die vergangenen sieben Jahre gab es auf Busfahrer der BVG im Durchschnitt jährlich 55 Verbalattacken und 102 körperliche Angriffe. Bei den BVG-Mitarbeitern im Bereich Sicherheit ist die Zahl sogar nahezu doppelt so hoch: durchschnittlich 116 verbale und 221 körperliche Angriffe pro Jahr. Die Dunkelziffer liegt wohl noch deutlich höher, da nicht jeder Vorfall gemeldet und erfasst wird. "Das sind alarmierende und besorgniserrende Zahlen. Jeder Angriff auf einen Mitarbeiter des ÖPNV in Berlin ist einer zu viel. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen für Fahrgäste und Personal gleichermaßen sicher sein", erklärt Zeelen. 

 

Etwas sicherer dürfen sich nur die Kollegen bei der U-Bahn mit 10 verbalen und 26 körperlichen und der Straßenbahn mit 4 verbalen und 12 körperlichen Angriffen in Berlin fühlen. 

 

Sowohl die BVG als auch die Deutsche Bahn haben nach eigenen Angaben bereits Maßnahmen ergriffen, um dem "gesellschaftlichen Phänomen erhöhter Gewaltbereitschaft und verringerter Hemmschwellen" entgegenzutreten. Die BVG hat Videoanlagen installiert, es gibt einen Prioritätsruf in Fahrzeugen sowie Notruf- und Alarmtasten für das Bahnhofs- und Servicepersonal. Außerdem werden Schulungen und Unterweisungen zum Umgang mit Gewalt und zur Deeskalation angeboten. Bei der Deutschen Bahn sind die Übergriffe sogar zur Chefsache erklärt worden. Es findet ein Monitoring der Übergriffe auf Vorstandsebene statt. Außerdem gibt es Deeskalationstrainings für Mitarbeiter, das Sicherheitspersonals ist mit Bodycams, Pfefferspray und Schlagstöckern ausgestattet. 

 

Dies kann für Zeelen und seine Fraktion jedoch nur ein Anfang sein. "Wir fordern die Ausweitung der Videoüberwachung, insbesondere bei der S-Bahn. Es muss vor allem aber zusätzliches Sicherheitspersonal eingesetzt werden. Die Rückkehr zum Modell, dass an jedem Bahnhof Zugabfertiger stationiert sind, halten wir für sinnvoll. Darüber hinaus fordern wir die Einführung von Eingangskontrollen an den Stationseingängen zur U- und S-Bahn, wie in anderen Metropolen längst Standard. Wer die Menschen zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel bewegen möchte, muss auch dafür sorgen, dass man sich dort sicher fühlt", so Zeelen.