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24.05.2019
Senat verschläft die nächste Badesaison im Strandbad Tegel

In Reinickendorf steht die dritte Badesaison am Tegeler See ohne das Strandbad Tegel bevor. Seit der Beendigung eines Interessenbekundungsverfahrens zur Vermarktung des Strandbads am 30. November 2018 liegen dem Senat und den Berliner Bäder-Betrieben nach eigenen Angaben drei seriöse und tragfähige Konzepte von potentiellen privaten Betreibern vor. Diese drei Interessenten haben ihre Konzepte vorgestellt. Sie beinhalten neben dem saisonalen Badebetrieb auch Gastronomie, Veranstaltungen und Nachhaltigkeitskonzepte. In der Folge kann im weiteren Schritt ein Vergabeverfahren gestartet werden. Die genaue Art des Verfahrens steht jedoch immer noch nicht fest. Dies geht aus einer Antwort auf die schriftliche Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) an den Senat hervor. 

"Es ist für mich unbegreiflich, dass Senat und Bäder-Betriebe ein halbes Jahr nach Ende Interessenbekundungsverfahrens noch immer nicht den nächsten Verfahrensschritt eingeleitet haben – zumal das Verfahren auch schon mit großer Verzögerung begann. Es gibt für das Strandbad Tegel private Interessenten, es gibt gute Konzepte und dennoch geht es nicht voran. Ich kann nicht erkennen, dass man ernsthaft versucht, das Strandbad Tegel schnellstmöglich wieder für die Reinickendorferinnen und Reinickendorfer zu öffnen. Stattdessen herrscht Stillstand", ärgert sich Zeelen. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Offenhaltung bzw. Wiedereröffnung des Tegeler Strandbads ein. 

 

Nach Angaben des Senats ist auch die finanzielle Unterstützung eines möglichen privaten Betreibers aus öffentlicher Hand nicht geplant. Die Verbesserung der Verkehrsanbindung mittels Bus-Linie zum Strandbad Tegel und der Ausweitung Parkplätze ist ebenfalls kein Thema. Stattdessen wird vom Senat darauf verwiesen, dass längere Fußwege zumutbar seien. Der kürzeste Weg zur nächsten Bushaltestelle in der Sprechtstraße beträgt 1,3 Kilometer durch den Tegeler Forst. Ansonsten könne man auch alternative Verkehrsmittel wie das Fahrrad nutzen. So sehe es der Nahverkehrsplan des Landes Berlin für Freizeit- und Erholungsverkehr schließlich vor.

 

"Weder Senat noch Bäder-Betriebe haben in den vergangenen Jahren etwas dazu gelernt. Es haben sich trotz schlechter Voraussetzungen private Unternehmer gefunden, die sich für den Betrieb des bisher öffentlichen Strandbads interessieren. Eigentlich ist es die Aufgabe der Bäder-Betriebe Bäder zu betreiben. Die zwingend notwendigen Investitionen in die Abwasserleitungen und die Bauwerke können nicht allein auf einem Privatem lasten, nachdem hier ewig kein Euro investiert wurde. Hinzu kommt die schlechte Verkehrsanbindung. Für ältere Menschen und Familien mit Kindern ist der Weg durch den Wald im Sommer einfach zu lang", erklärt Felix Schönebeck, Vorsitzender des Vereins I love Tegel e.V. und CDU-Bezirksverordneter im Rathaus Reinickendorf. Er wollte mit seinem Verein und zwei Reinickendorfer Unternehmern im vergangenen Jahr das Strandbad kostenlos für die Reinickendorfer öffnen. Nach ersten konstruktiven Gesprächen mit dem Bäder-Vorstand, lies dieser die Idee dann im Sande verlaufen bis die Badesaison vorbei war. 

 

Im Gegensatz zu heute gab es früher entlang der Straße zum Strandbad noch zusätzliche Parkplätze. Diese wurden mit der Zeit ersatzlos abgeschafft. Zudem fuhr der so genannte "Schmetterlingsbus" vom U-Bahnhof Seestraße über Alt-Tegel bis zum Strandbad. Heute gibt es keine direkte Bus-Anbindung mehr. Dabei gab es schon viele praktikable Ideen, wie beispielsweise die Verlängerung der Linie 324 vom Falkenplatz oder eine Schleife der Linie 222 bis zum Strandbad Tegel. Leider sind bisher alle Vorschläge aus Politik und Bevölkerung auf taube Ohren gestoßen. Es bleibt zu hoffen, dass sich am Ende einer der drei Interessenten tatsächlich zum Betrieb des Strandbads entschließt.