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16.09.2019
Mikroplastik durch Reifenabrieb belastet Natur und Umwelt: Senat bleibt beim Schutz des Tegeler Fließes hinter Zielsetzung zurück

Reifenabrieb macht den größten Anteil an Mikroplastik in unserer Umwelt und Natur aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik. In der Antwort auf eine aktuelle Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) lässt der Senat erkennen, dass er diese Auffassung teilt. Jedoch habe man keine genauen Erkenntnisse zu Mikroplastik durch Reifenabrieb. Die Untersuchungen zur Quantifizierung von Reifenabrieb und der Eintrag in die aquatische Umwelt über den Straßenabfluss seien zurzeit noch Stand der Forschung. Dies gelte ebenso für die notwendige Laboranalytik. Der Senat begleite aber darauf gerichtete Forschungsprojekte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zurzeit könne der Senat jedoch weder den Reifenabrieb noch den Anteil an Mikroplastik verlässlich bestimmen oder abschätzen.

Auf die Frage Zeelens, wie der Senat gedenkt auf die Umweltbelastung durch Reifenabrieb zu reagieren, bleibt die Antwort schwammig. Man wolle sich vor allem auf den Bereich stark befahrener Straßen fokussieren. Sollten die Forschungsergebnisse weitere systematische Kriterien für die Klassifizierung von Belastungsintensitäten bereit stellen, so werde man diese künftig berücksichtigen. Perspektivisch will der Senat auch eigene Messungen im Regenabfluss vornehmen, sobald die methodischen Fragen von Probenahme, Aufbereitung und Analytik im Rahmen laufender Forschungsvorhaben geklärt sind. Es ist also noch ein langer Weg.

 

Bis dahin wird weiterhin an verschiedenen Orten Berlin ungefiltertes Abwasser in die Natur gelangen. "In meinem Wahlkreis liegt mit dem Tegeler Fließ einer der schönsten Landschaftsräume Berlins. Hier gelangt aus 90 umliegenden Straßen Abwasser ungefiltert in die Natur. Der Senat muss endlich handeln und diese Umweltbelastung abstellen", fordert Zeelen.

 

Auf seine Frage, wie sich die Einleitung ungefilterten Regenwassers ins Tegeler Fließ mit dem Landschafts- und dem Naturschutz verträgt, antwortet der Senat ausweichend. Die Einleitung von Regenwasser aus der öffentlichen Straßenentwässerung darf nur erfolgen, wenn Landschaft und Natur "nicht oder nur unerheblich beeinträchtigt" werden. Der Senat verweist an dieser Stelle auf die Planung und Umsetzung der Maßnahmen im Zusammenhang mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die im Jahr 2000 in Kraft trat. Durch diese Maßnahmen sollen die stoffliche Belastung und die Häufigkeit der Noteinleitung reduziert werden.

 

Zeelen: "Es ist schon allerhand, dass der Senat fast zwanzig Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie noch immer im Anfangsstadium der Umsetzung ist. Die sehr komplexe Maßnahme sollte bereits vor vier Jahren abgeschlossen sein. Jetzt verweist man auf offensichtlich fehlende Kapazitäten. Leittragende ist unsere Natur im Tegeler Fließ. Das können wir nicht hinnehmen!"

 

Einen Hoffnungsschimmer gibt die Antwort des Senats auf die Frage, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität im Tegeler Fließ ergriffen werden. Laut Angaben des Senats werden zur Reduzierung der vorhandenen Gewässerbelastungen aus Niederschlagswassereinleitungen derzeit die Einzugsgebiete der Regenwasserkanalisation ermittelt, die die Hauptbelastungsquellen darstellen. Bei der daraus abzuleitenden Priorisierung der sehr zahlreichen erforderlichen Maßnahmen werde auch die Lage in Schutzgebieten berücksichtigt.